1Was ist BARF Katzenfutter?

Der Begriff BARF steht für zwei gleichbedeutende Definitionen, die dasselbe Konzept beschreiben: die Fütterung von Katzen mit unerhitzten, rohen, natürlichen Lebensmitteln. Das Konzept wurde in den frühen 1990er-Jahren vom australischen Tierarzt Dr. Ian Billinghurst geprägt und hat sich seitdem weltweit verbreitet.
Die Grundphilosophie von BARF ist so einfach wie überzeugend: Katzen sind evolutionär perfekt auf den Verzehr ganzer Beutetiere – Maus, Vogel, kleines Nagetier – angepasst. Ihr Verdauungssystem, ihr Stoffwechsel und ihre Nährstoffbedürfnisse spiegeln diese Jahrmillionen alte Nahrungsweise wider. Industriell gefertigtes Trockenfutter mit hohem Kohlenhydratanteil steht diesem Bauplan fundamental entgegen. BARF versucht, die ursprüngliche Ernährung so nah wie möglich nachzubilden – und das mit frischen, kontrollierten Zutaten statt Fertigware.
B.A.R.F.
Biologically Appropriate Raw Food
Biologisch angemessenes Rohfutter – orientiert an artgerechter Ernährung
B.A.R.F.
Bones and Raw Food
Knochen und Rohfutter – betont die natürlichen Bestandteile
“Die natürliche Ernährung der Katze orientiert sich an ganzen Beutetieren – Muskelfleisch, Innereien, Knochen und kleinen Mengen pflanzlicher Materie. BARF versucht, genau das nachzubilden.
— Dr. Ian Billinghurst, Tierarzt & BARF-Pionier (1993)
Abgrenzung zu anderen Fütterungsarten
| Fütterungsart | Verarbeitung | Bewertung |
|---|---|---|
| Trockenfutter | Extrudiert, stark erhitzt | Wenig artgerecht |
| Nassfutter | Konserviert, erhitzt | Mittel |
| BARF | Roh, minimal verarbeitet | Artgerecht |
2Warum BARF? – Vorteile der Rohfütterung

Befürworter der Rohfütterung berichten von einer Vielzahl positiver Effekte. Einige sind wissenschaftlich belegt, andere basieren auf langjährigen Erfahrungswerten der wachsenden BARF-Community. Klar ist: Je mehr Katzenhalter mit dem BARFen beginnen, desto mehr Beobachtungen und Berichte sammeln sich an – und die Tendenz ist überwiegend positiv.
Die möglichen Vorteile lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: direkt sichtbare Verbesserungen (Fell, Gewicht, Zähne) und langfristige Gesundheitseffekte (Immunsystem, Organfunktion, Lebensqualität). Beides hängt davon ab, wie sorgfältig die Ration zusammengestellt wird – BARF allein ist kein Allheilmittel, wohl aber eine solide Grundlage.
Glänzendes Fell
Optimal verfügbare Fettsäuren (Omega-3 & Omega-6) sorgen für gesunde Haut und glänzendes Fell.
Bessere Zahngesundheit
Natürliche Reinigung beim Kauen auf Knochen und Fleisch reduziert Zahnstein.
Gesundes Gewicht
Starke Kohlenhydrat-Reduktion verhindert Übergewicht und Adipositas.
Mehr Wasseraufnahme
Rohes Fleisch enthält natürliche Feuchtigkeit – ideal für Katzen, die wenig trinken.
Stärkeres Immunsystem
Natürliche Nährstoffe in biologisch verfügbarer Form stärken die Abwehrkräfte.
Weniger Allergien
Keine künstlichen Zusatzstoffe oder Füllstoffe, die Unverträglichkeiten auslösen.
Harnwegsgesundheit
Aziderer Urin-pH reduziert das Risiko von FLUTD (Harnwegsentzündungen).
Vitaler & aktiver
Katzen sind ausgeglichener und vitaler durch artgerechte Ernährung.
Weniger Kotvolumen
Höhere Verdaulichkeit tierischer Proteine = weniger und geruchsärmere Ausscheidungen.
Wissenschaftlicher Hinweis
3Die Katze als obligater Fleischfresser

“Katzen sind obligate Karnivoren – sie sind zwingend auf tierisches Protein angewiesen und können ohne es schlicht nicht überleben.
Im Gegensatz zu Hunden oder Menschen sind Katzen metabolisch nicht in der Lage, bestimmte Nährstoffe aus pflanzlichen Quellen herzustellen. Diese Nährstoffe müssen zwingend über tierische Quellen bezogen werden:
Taurin
Essenzielle Aminosäure, nur in tierischem Gewebe vorhanden. Mangel führt zu Herzerkrankungen und Erblindung.
Arachidonsäure
Mehrfach ungesättigte Fettsäure, die Katzen nicht selbst synthetisieren können.
Vitamin A (Retinol)
Katzen können Beta-Carotin nicht in Vitamin A umwandeln – sie brauchen echtes Retinol.
Vitamin D3
Katzen können Vitamin D nicht über die Haut durch Sonneneinstrahlung produzieren.
Niacin (Vitamin B3)
Wird von Katzen nicht aus Tryptophan synthetisiert, wie es andere Säuger können.
Diese biologischen Tatsachen sind nicht verhandelbar – sie sind das Ergebnis von Millionen Jahren Evolution. Die Hauskatze unterscheidet sich in ihrem Nährstoffbedarf kaum von der Wildkatze (Felis silvestris lybica), von der sie abstammt. Beide brauchen dieselben essenziellen Nährstoffe aus tierischen Quellen. BARF trägt dieser Realität Rechnung, indem es genau die Bestandteile liefert, auf die der Katzenkörper metabolisch ausgelegt ist – in einer Form, die er optimal verwerten kann.
Vegane / vegetarische Ernährung ist lebensgefährlich für Katzen
4Die Bestandteile einer BARF-Ration

Eine vollwertige BARF-Ration für Katzen setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen, die zusammen alle Nährstoffbedürfnisse abdecken. Anders als bei Fertigfutter trägt der Halter hier selbst die Verantwortung für die Ausgewogenheit – was Wissen, aber auch große Kontrolle über die Qualität der Zutaten bedeutet.
Die 80/10/10-Formel hat sich als praktischer Orientierungsrahmen etabliert: 80 % Muskelfleisch (inkl. Herz), 10 % essbare Knochen und 10 % Innereien (davon mindestens die Hälfte Leber). Diese Verhältnisse bilden grob die Zusammensetzung eines Beutetieres nach:
| Komponente | Anteil | Beschreibung & Beispiele |
|---|---|---|
| Muskelfleisch | ~70 % | Hauptenergieträger & Proteinquelle: Rind, Geflügel, Kaninchen, Lamm, Wild, Pferd. Auch Herzfleisch zählt. |
| Essbare Knochen | ~10 % | Liefern Calcium, Phosphor, Magnesium. Hühnerflügel, Hühnerhals, Kaninchenknochen. NUR roh! |
| Leber | ~5 % | Nährstoffdichte Innerei, reich an Vitamin A, B-Vitaminen, Eisen und Kupfer. Max. 5 % – Überdosierung möglich! |
| Sonstige Innereien | ~5 % | Niere, Milz, Lunge, Pansen. Liefern Taurin, Vitamine und Mineralien. Herz ist besonders taurinreich. |
| Muskelmagen | ~5 % | Hühnermagen, Putenmagen – reich an Taurin und Verdauungsenzymen. |
| Ergänzungen (optional) | ~5 % | Puréiertes Gemüse, Leinöl, Lachsöl, Hefe, Meeresalgen. Sinnvoll für Mikronährstoffe. |
Rohe Knochen – niemals gegarte!
Wichtig zu verstehen: Die 80/10/10-Formel ist ein langfristiger Richtwert, der über mehrere Wochen ausgeglichen werden kann – nicht jede einzelne Mahlzeit muss exakt diesem Verhältnis entsprechen. Mit der Zeit entwickeln erfahrene BARFer ein Gefühl dafür, wie die Ration ihres Tieres aussehen sollte, und passen sie laufend an die Bedürfnisse und das Wohlbefinden der Katze an.
5Geeignete Fleischsorten & Proteinquellen

Die Wahl der richtigen Fleischsorten ist das Herzstück jeder BARF-Ration. Tierisches Protein bildet den weitaus größten Anteil der Katzenernährung – und die Qualität sowie Vielfalt dieser Proteinquellen entscheidet maßgeblich darüber, wie vollständig und ausgewogen die Versorgung letztlich ist.
Abwechslung ist Pflicht: Keine einzige Proteinquelle deckt alle Nährstoffbedürfnisse vollständig ab. In der Natur erbeutet eine Katze eine Vielzahl verschiedener Tierarten – Mäuse, Vögel, Kaninchen, Insekten. Dieses Prinzip der Rotation übernehmen wir beim BARF: mindestens 3–5 verschiedene Tierarten sollten im Wechsel verfüttert werden.
Huhn
Sehr gutPreisgünstig, gut verträglich, exzellentes Aminosäureprofil. Hals & Flügel als Knochenquelle.
Pute
Sehr gutÄhnlich wie Huhn, höherer Proteingehalt, magerer. Gut für aktive Katzen.
Kaninchen
OptimalSehr artgerecht, mageres Fleisch, gutes Ca/P-Verhältnis, leicht verdaulich.
Rind
GutReich an Eisen und Zink, längere Sättigung. Gut als Basis der Ration.
Lamm
GutFetthaltiger, gut für Katzen mit erhöhtem Energie- und Feuchtigkeitsbedarf.
Wild (Reh/Hirsch)
Sehr gutMageres Fleisch, reich an B-Vitaminen, antibiotikafrei aus der Natur.
Pferd
GutSehr mager, gut für übergewichtige Katzen, selten als Allergen.
Ente / Gans
BedingtFettreicher, gut in kleinen Mengen im Wechsel mit magereren Sorten.
Fisch – ja, aber mit Bedacht!
Fisch ist eine wertvolle Quelle für Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA), sollte aber nicht die Hauptproteinquelle sein.
Risiken bei übermäßigem Fischverzehr:
- Thiaminase zersetzt Vitamin B1
- Hohe Schwermetallbelastung
- Suchtverhalten möglich
- Erhöhter Puringehalt
Empfehlung
Höchstens 1–2× pro Woche kleiner Anteil Lachs, Hering oder Sardinen – am besten als Ergänzung oder in Form von Lachsöl.
6Berechnung der täglichen BARF-Ration

Einer der häufigsten Fragen beim Einstieg ins BARFen ist: Wie viel soll ich meiner Katze täglich geben? Die Antwort hängt von verschiedenen Faktoren ab – Körpergewicht, Aktivitätslevel, Alter und Gesundheitszustand spielen alle eine Rolle. Als Ausgangspunkt hat sich ein prozentualer Anteil des Körpergewichts bewährt.
Anders als beim Trockenfutter, das in Kilokalorien angegeben wird, orientiert sich BARF traditionell am Rohgewicht der verfütterten Menge. Da rohes Fleisch einen hohen Wassergehalt hat, ist die tatsächlich aufgenommene Kalorien- und Nährstoffmenge etwas anders zu berechnen – in der Praxis hat sich die folgende Faustregel aber als sehr verlässlich erwiesen:
Faustregel für erwachsene Katzen
2 – 3 %
des Körpergewichts pro Tag
Erwachsene Katze (4 kg)
80–120 g/Tag
40–60 g pro Mahlzeit (2×)
2–3 % KörpergewichtKitten & Jungtiere
Bis 10 % KG/Tag
Mehrere kleine Mahlzeiten
Erhöhter EnergiebedarfTrächtige Katzen
Bis 4–5 % KG/Tag
Nach Bedarf anpassen
Erhöhter NährstoffbedarfÜbergewichtige Katzen
Basis: Idealgewicht
Nicht Ist-Gewicht verwenden!
Gewichtsmanagement wichtigTaurin-Tipp
7Supplemente & Ergänzungen beim BARFen

“"Roh gleich vollständig" ist ein gefährlicher Irrtum. Selbst bei sorgfältiger Zusammenstellung kann es zu Nährstoffmängeln kommen.
Viele BARF-Einsteiger gehen davon aus, dass rohes Fleisch von Natur aus alle Nährstoffe enthält, die eine Katze braucht. Diese Annahme ist leider falsch – und kann im schlimmsten Fall zu ernsthaften Gesundheitsschäden führen. Der Grund: Zuchtfleisch ist nicht mit dem Fleisch von Wildtieren vergleichbar. Intensiv aufgezogene Nutztiere werden mit Kraftfutter gefüttert und bewegen sich kaum, was das Nährstoffprofil ihres Fleisches deutlich verändert.
Gezielte Supplemente schließen diese Lücken und sorgen dafür, dass die BARF-Ration wirklich vollständig ist. Besonders Taurin und Kalzium sind kritische Punkte, bei denen ein Mangel innerhalb weniger Monate gravierende Folgen haben kann. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Ergänzungen, wann sie nötig sind und in welcher Menge:
Taurin
Wichtigca. 250 mg/TagWenn wenig Herz/Innereien verfüttert werden. Verhindert Herzerkrankungen & Erblindung.
Omega-3-Fettsäuren (Lachsöl)
ca. 0,5 ml/TagGleicht Ungleichgewicht von Omega-6 zu Omega-3 in Mastfleisch aus.
Vitamin E
Nach PackungsanweisungAls Antioxidans bei erhöhter Fischfütterung wichtig (verhindert Steatitis).
Jod (Algen / Jodsalz)
Gering dosiertWenn keine Innereien mit natürlichem Jodgehalt verfüttert werden.
Vitamin D3
Nach Tierarzt-EmpfehlungKatzen können Vitamin D nicht ausreichend selbst produzieren.
Kalzium
WichtigCa: P-Verhältnis 1,2:1Wenn keine Rohknochen gefüttert werden – Eierschalenmehl oder Kalziumzitrat.
Zink
Gering dosiertKann bei fleischlastigen Rationen ohne Innereien defizitär sein.
8Hygiene & Lebensmittelsicherheit

Hygiene ist beim BARF kein optionaler Extra-Aufwand, sondern eine absolute Grundvoraussetzung. Rohes Fleisch birgt eine Keimbelastung, die beim Kochen zerstört würde – beim BARFen bleibt sie erhalten. Das bedeutet nicht, dass BARF gefährlich ist, sondern dass sorgfältiger Umgang mit den Zutaten und konsequente Hygiene im Alltag zum Standard gehören müssen.
Die gute Nachricht: Katzen haben eine deutlich niedrigere Magenempfindlichkeit als Menschen. Ihr Verdauungstrakts-pH liegt niedriger, die Passagezeit ist kürzer und viele Bakterien werden neutralisiert, bevor sie Schaden anrichten können. Dennoch gibt es Erreger, auf die auch Katzen reagieren – und vor allem gibt es Erreger, die auf Menschen übertragen werden können (Zoonosen). Beide Aspekte müssen berücksichtigt werden.
Kritische Erreger
Salmonellen
HochIn rohem Geflügel häufig. Katzen sind relativ tolerant, können aber Ausscheider sein.
Risiko für: MenschListeria monocytogenes
MittelGefährlich für immungeschwachte Menschen und Schwangere.
Risiko für: MenschToxoplasma gondii
HochParasit aus rohem Fleisch. Katzen sind Endwirt. Gefährlich für Schwangere!
Risiko für: SchwangereCampylobacter
MittelVor allem in Geflügel. Kann zu Durchfall führen.
Risiko für: Tier & MenschE. coli (EHEC)
VariabelBesonders bei Rind. Meistens unproblematisch, EHEC-Stämme jedoch gefährlich.
Risiko für: MenschHygienemaßnahmen
- Fleisch immer gefroren kaufen und im Kühlschrank auftauen (nie bei Raumtemperatur)
- Rohe Portionen nicht länger als 30 Minuten stehen lassen
- Näpfe und Unterlage nach jeder Fütterung gründlich reinigen (heißes Wasser + Spülmittel)
- Hände vor und nach dem Umgang mit Rohfleisch gründlich waschen
- Getrennte Schneidebretter und Messer für Katzenfutter verwenden
- Tiefgefrieren (mind. −20 °C für 72 Stunden) reduziert Parasitenbelastung erheblich
Risikogruppen im Haushalt
9Umstellung auf BARF – Schritt für Schritt

Die Umstellung auf BARF ist keine spontane Entscheidung, die man über Nacht umsetzt – sie ist ein Prozess, der Planung, Geduld und Beobachtungsgabe erfordert. Viele Katzen, besonders jene mit jahrelangem Fertigfutter, sind neophob: Sie misstrauen neuartigen Lebensmitteln und reagieren auf Veränderungen im Futter oft mit Verweigerung.
Das ist kein Versagen – es ist eine evolutionär verankerte Schutzreaktion. Giftige Beute ist in der Natur oft unbekannt, weshalb Katzen Bekanntes bevorzugen. Mit der richtigen Strategie gelingt die Umstellung aber auch bei hartnäckigen Futterkonservativen. Der Schlüssel liegt im langsamen, konsequenten Vorgehen über mehrere Wochen:
Vorbereitung
- Feste Fütterungszeiten einführen (kein Free-Feeding)
- Menge des bisherigen Futters leicht reduzieren
- Winzige Mengen Rohfleisch neben normalem Futter anbieten
Einführung
- Eine von zwei Mahlzeiten komplett durch Rohfleisch ersetzen
- Mit einer einzigen Proteinquelle beginnen (z.B. nur Huhn)
- Verdauung, Kotbeschaffenheit und Wohlbefinden beobachten
- Bei guter Verträglichkeit: weitere Proteinquellen schrittweise einführen
Vollumstellung
- Alle Mahlzeiten auf BARF umstellen
- Innereien schrittweise ergänzen (beginnen mit ca. 1 g Leber/Tag)
- Knochen einführen (zunächst weiche Knochen wie Hühnerhals)
- Supplemente gemäß Ration abstimmen
Praxis-Tipp: Einige Katzen akzeptieren rohes Fleisch besser, wenn es leicht auf Körpertemperatur (ca. 38 °C) gewärmt wird – das entspricht der Temperatur frischer Beute.
10Häufige Fehler & wie Sie sie vermeiden

BARF hat gegenüber Fertigfutter einen entscheidenden Nachteil: Es gibt keine Qualitätskontrolle durch einen Hersteller. Der Halter trägt die volle Verantwortung für die Vollständigkeit und Sicherheit der Ration. Das ist eine Stärke – denn es ermöglicht maximale Kontrolle – setzt aber gleichzeitig ein solides Grundwissen voraus.
Die gute Nachricht: Die häufigsten Fehler beim BARFen sind bekannt und gut dokumentiert. Wer sie kennt, kann sie von Anfang an vermeiden. Die folgende Übersicht zeigt die kritischsten Stolpersteine und wie man ihnen ausweicht:
Zu viel Leber
Maximum 5 % der Gesamtration. Überschuss führt zu Vitamin-A-Hypervitaminose (Knochenbrüchigkeit, Lethargie).
Zu wenig Taurin
Innereien und Herz regelmäßig füttern. Mangel führt zu dilatativer Kardiomyopathie (DCM) und Blindheit.
Nur eine Proteinquelle
Immer mindestens 3–5 Tierarten rotierend einsetzen. Einseitig = Nährstoffmängel wahrscheinlich.
Gegarte Knochen
Nur rohe Knochen! Gegarte Knochen splittern und können lebensbedrohliche innere Verletzungen verursachen.
Zu viel Fisch
Maximale 2× pro Woche. Thiaminase zerstört Vitamin B1, Schwermetalle akkumulieren sich.
Fehlende Calcium-Quelle
Bei knochenfreier Fütterung: Eierschalenmehl oder Kalziumzitrat supplementieren. Sonst Ca/P-Ungleichgewicht.
Zu abrupte Umstellung
Langsam über mehrere Wochen umstellen. Abrupter Wechsel führt zu Durchfall und Futterakzeptanz-Problemen.
Unsachgemäße Lagerung
Nie bei Raumtemperatur auftauen. Aufgetautes Futter max. 24 Stunden im Kühlschrank, nie wiedereinfrieren.
11BARF bei besonderen Lebensumständen

BARF ist keine Einheitslösung, die für jede Katze gleich aussieht. Alter, Gesundheitszustand und Lebensphase beeinflussen den Nährstoffbedarf erheblich. Wer BARFen möchte, muss die spezifischen Anforderungen seiner Katze kennen und die Ration entsprechend anpassen.
Besonders in sensiblen Lebensphasen – bei Jungtieren, älteren Katzen oder erkrankten Tieren – ist enge tierärztliche Begleitung unerlässlich. Die folgenden Abschnitte geben einen Überblick über die wichtigsten Besonderheiten:
Kitten (bis 1 Jahr)
- Deutlich erhöhter Nährstoff- und Energiebedarf
- Mehr Protein, Calcium & Phosphor für Knochenwachstum
- Unter 8 Wochen: NICHT geeignet (Muttermilch!)
- Ab 4–6 Wochen: sehr langsam mit weichem Rohfleisch ergänzen
Senior-Katzen (ab 10 J.)
- Oft reduzierte Nieren- und Leberfunktion
- Besondere Vorsicht beim Phosphorgehalt
- Innereien reduzieren, magere Fleischsorten bevorzugen
- Wasserversorgung optimieren
- Tierarzt-Rücksprache dringend empfohlen
Erkrankte Katzen
- Nierenerkrankungen, Diabetes, Hyperthyreose: nur nach Absprache
- Einige Erkrankungen profitieren von BARF
- Andere erfordern individuelle Anpassungen
- Unbedingt BARF-erfahrenen Tierarzt konsultieren
12Kosten von BARF im Vergleich

“BARF wird oft als teuer wahrgenommen – mit cleverer Einkaufsstrategie kann es sogar günstiger sein als Premium-Nassfütterung.
Die Kostenstruktur beim BARF ist zunächst ungewohnt: Statt eines Monatsbeutels Trockenfutter kauft man verschiedene Fleischsorten, Innereien und Supplemente. Das klingt aufwändig – und kann es sein, wenn man unkritisch im Supermarkt einkauft. Doch mit Strategie lässt sich BARF sehr wirtschaftlich gestalten.
Der größte Hebel sind Direkteinkäufe beim Metzger oder Geflügelhändler. Schlachtnebenprodukte wie Herz, Lunge, Magen und Knochen sind preiswert und für BARF ideal – der Fachhandel kann sie oft auf Vorrat einfrieren. Die folgende Tabelle gibt eine Orientierung über typische Kosten im Vergleich:
| Fütterungsart | Kosten / kg | Kosten / Tag (4 kg Katze) | Qualität |
|---|---|---|---|
| Fertig-BARF (Zoofachhandel) | 3,50–6,00 € | ca. 0,35–0,70 € | Gut |
| BARF selbst (Metzger)Empfehlung | 1,50–3,00 € | ca. 0,15–0,35 € | Sehr gut |
| Premium-Nassfutter | ca. 3–6 € | ca. 0,40–0,80 € | Mittel |
| Trockenfutter (billig) | ca. 1–2 € | ca. 0,10–0,20 € | Gering |
Spartipps für kluge BARFer
- Direkt beim Metzger kaufen – Mengenrabatte nutzen
- Schlachtnebenprodukte (Herz, Lunge, Magen) sind günstiger als Muskelfleisch
- Große Mengen einfrieren und portioniert auftauen
- Saisonales Wild nutzen – günstig und antibiotikafrei
13Fertig-BARF vs. selbst zusammengestellt

Nicht jeder, der BARF ausprobieren möchte, hat die Zeit oder das Vertrauen, von Anfang an eigene Rationen zusammenzustellen. Hier kommt Fertig-BARF ins Spiel: vorgefertigte, tiefgefrorene Rohfuttermischungen, die alle Komponenten einer ausgewogenen BARF-Ration bereits enthalten – Muskelfleisch, Innereien, Knochen und teilweise pflanzliche Anteile.
Fertig-BARF ist besonders für Einsteiger, Mehrkatzen-Haushalte oder vielbeschäftigte Katzenbesitzer interessant. Der Komfort kommt jedoch zu einem Preis – und nicht alle Produkte auf dem Markt halten, was sie versprechen. Hier lohnt sich ein kritischer Blick auf die Zusammensetzung:
Vorteile
- Einfach und schnell in der Handhabung
- Nährstoffmäßig bereits abgestimmt
- Portionsgerecht tiefgefroren
- Ideal für BARF-Einsteiger
Nachteile / Risiken
- Teurer als selbst zusammengestellt
- Weniger Kontrolle über Inhaltsstoffe
- Qualität variiert stark je nach Hersteller
- Weniger flexibel bei speziellen Bedürfnissen
Worauf beim Kauf von Fertig-BARF achten?
- Deklaration: 100 % Fleischanteil ohne Getreide, Zucker oder künstliche Zusätze
- Transparenz: Herkunft des Fleisches muss angegeben sein
- Tiefkühlkette: Produkt muss durchgängig tiefgekühlt sein
- Analyse: Rohprotein, Rohfett, Rohasche und Feuchtigkeitsgehalt müssen ausgewiesen sein
14Kritik an BARF – Was sagen Tierärzte?

BARF ist nicht unumstritten. Die wissenschaftliche und veterinärmedizinische Debatte über die Sicherheit und Wirksamkeit der Rohfütterung ist noch nicht abgeschlossen – und das ist in gewisser Weise normal. Jede alternative Ernährungsform durchläuft eine Phase, in der Erfahrungswissen auf wissenschaftliche Überprüfung trifft.
Die Kritik an BARF lässt sich nicht pauschal abtun – sie enthält berechtigte Punkte, die jeder BARF-Halter kennen sollte. Gleichzeitig spiegeln die Berichte von BARF-erfahrenen Tierärzten und Tausenden von Katzenhaltern eine Realität wider, die sich nicht einfach ignorieren lässt. Ziel sollte es sein, beide Perspektiven sachlich zu verstehen:
Kritikpunkte
- Keimbelastung: Risiko für Tier und Mensch
- Nährstoffungleichgewichte bei Selbstzusammenstellung
- Fehlende kontrollierte Langzeitstudien
- Knochengefahr: auch rohe Knochen können splittern
- Taurinmangel auch bei manchen kommerziellen Produkten
Positive Erfahrungen
- Verbesserte Fellqualität und Haut
- Weniger Harnwegserkrankungen beobachtet
- Bessere Verdaulichkeit und weniger Kotvolumen
- Höhere Akzeptanz bei wählerischen Katzen
- Positive Effekte bei Gewichtsmanagement
“Entscheidend ist stets: Vollständigkeit der Ration, konsequente Hygiene und regelmäßiges Monitoring beim Tierarzt.
15Häufig gestellte Fragen (FAQ)
16Quellen & weiterführende Informationen
Die Informationen in diesem Ratgeber basieren auf einer Kombination aus wissenschaftlicher Fachliteratur, tierärztlichem Expertenwissen und den Erfahrungen der BARF-Community. Ernährungswissenschaft ist ein sich ständig weiterentwickelndes Feld – wir empfehlen daher, auch eigene weiterführende Recherchen anzustellen und sich im Zweifel stets an einen fachkundigen Tierarzt zu wenden.
Die folgenden Quellen bilden die inhaltliche Grundlage dieses Ratgebers und sind zugleich Ausgangspunkt für eine tiefergehende Beschäftigung mit dem Thema BARF:
Wissenschaftliche Publikationen
- Billinghurst, I. (1993). Give Your Dog a Bone. Warrigal Publishing.
- Fascetti, A.J. & Delaney, S.J. (2012). Applied Veterinary Clinical Nutrition. Wiley-Blackwell.
- Freeman, L.M. et al. (2013). Current knowledge about the risks and benefits of raw meat-based diets. JAVMA 243(11).
- Schlesinger, D.P. & Joffe, D.J. (2011). Raw food diets in companion animals: A critical review. Canadian Veterinary Journal 52(1).
Online-Ressourcen (Deutschland)
- barfer.de – BARF Forum für Hunde & Katzen
- ESVCN – Veterinärnährungskundliche Gesellschaft
- BfR – Bundesinstitut für Risikobewertung
Empfehlenswerte Bücher
- Drees, M. (2012). BARF für Katzen. Kynos Verlag.
- Hofmann, U. (2016). BARF – Biologisch Artgerechtes Rohes Futter. Cadmos Verlag.
